Glücksforschung


Was sagt die Wissenschaft?

Glück ist ein sehr individuelles Gefühlsempfinden.

Keine Frage ist, das Glück ohne Selbstwertgefühl, ohne Intimität und Zugehörigkeit,ohne Sinnhaftigkeit, das Glücksgefühl zumindest sehr schwierig wird, und dass die Wahrscheinlichkeit von Depression und Ängsten steigt. Wichtiger als materiell erscheinen jedenfalls Sinnhaftigkeit, befriedigende Beziehungen, ein Gefühl von Gerechtigkeit, eine gewisse Aufgeschlossenheit, und ein funktionierendes emotionales System.  D.h. ein emotionales Gleichgewicht schaffen zu können, im Umgang mit den Höhen und Tiefen des Lebens.

Eine ganz zentrale Kompetenz hierbei ist die Resilienz. Resilienz ist die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu überstehen.

Darauf gehe ich in einem späteren Beitrag näher ein.


Die Chemie des Glücks

Neurotransmitter und Hormone

Die Fachleute auf diesem Gebiet mögen mir die Darstellung verzeihen, aber ich denke sie ist alltagstauglich und für jeden verständlich.

Die sogenannten Glückshormone sind:

Serotonin auch 5Hydrotryptamin (5-HTP) ist ein Gewebshormon und Neurotransmitter

Wirkung: bewirkt ein Gefühl der Gelassenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit; sorgt für Balance, Harmonie; dämpft Angstzustände, Aggressivität, Kummer und das Hungergefühl; Vorstufe zu Tryptophan

Dopamin ist ein Neurotransmitter

Wirkung: anregend, antriebssteigernd und motivierend; Erlebnishunger, Vorfreude, Verlangen nach angenehmen Zuständen; spielt auch eine große Rolle bei Suchterkrankungen

Endorphine sind eine Art körpereigenes Morphin

Wirkung: sorgen für physische Entspannung und Schmerzreduktion (besonders in Notsituationen) und sind an der Hungerregulation beteiligt; es besteht auch eine Verbindung zu Sexualhormonen; Allgemein werden Endorphine mit verschiedenen Zuständen von Euphorie in Verbindung gebracht, so dass gerade sie oft als die sogenannten „Glückshormone“ bezeichnet werden, jedenfalls sehr eng mit dem Belohnungssystems des Gehirns verbunden sind.

Hier spielt die Verbindung des Belohnungssystems zu Bereichen des Vorderhirns eine Rolle. Im Vorderhirn treffen wir u.a. die Bewertungen von Erlebnissen und beeinflussen dadurch unser Erleben als „Belohnung“ oder „Glück“ ganz erheblich. Die subjektive Bewertung macht das Erleben (z.B. Placebo-Effekt).


Folgende wissenschaftliche Ansicht:

Die Prozentzahlen variieren unter den Forschern und gehen bei dem beeinflussbaren Teil teilweise bis auf 90% hoch.

Ich nenne Dir hier die z.Z. wohl fundierteste Aussage bisher:

Die Funktion bzw. die Intensität dieser Hormone sei zu 50% von den Genen beeinflusst, 10% stünden im Zusammenhang mit unseren aktuellen Lebensumständen und 40% können wir selber zu unserem Glücksempfinden beitragen. Dies sieht auch Martin Seligmann, der Vielfach als Begründer der neuzeitlichen Glücksforschung angesehen wird, in ähnlicher Weise.

Angenehme Gefühle gehen auch mit der Wirkung der sogenannten „Bindungshormone“ Oxytocin und Vasopressin einher: Glück durch soziale Nähe, Angenommensein, Zugehörigkeit, allgemeine Zufriedenheit. Vasopressin erzeugt eher Euphorie.

Allerdings erklären diese biochemischen Aspekte nur einen Teil des Erlebens. Die Umwelt, besonders pränatale und frühkindliche Erlebnisse, bewusste und unbewusste Erziehung (emotional, intellektuell, Lernanimation etc.) Traumata, sind immer auch beteiligt.

Hierdurch findet sich auch bestätigt, dass eine genetische Anlage oft erst durch auslösende Faktoren Wirkung zeigt. Doch nicht nur die biochemischen Aspekte sind vom Genom (Erbgut) beeinflusst. Genetisch veranlagt heißt nicht zwangsläufig aktiv, sondern nur, dass disponiert ist, was zur Ausprägung kommen kann. Nicht zuletzt ist auch das Genom im Laufe des Lebens veränderungsfähig (Epigentik).

Die Forschungsergebnisse legen nahe das es eine Korrelation (funktionale Wechselbeziehung) von Glückserleben und der genetisch veranlagten Neurotransmitter- /Hormon-Dynamik gibt. Daraus einen Kausalzusammenhang abzuleiten als Teil einer Gesamterklärung des Erlebens ist allerdings umstritten.


So hat also Jeder einen eigenen wie erworbenen Glückslevel, um den das empfundene Glück schwankt bzw. zu dem das Glücksempfinden langfristig gesehen immer wieder zurückkehrt.

Dieser Level scheint abgesehen von bewusstseinsverändernden Substanzen, nur durch Veränderung der inneren Einstellungen, Überzeugungen und Werte, sowie im Zusammenhang beim Umgang von schwerwiegenden Lebensereignissen, beeinflussbar zu sein.

Dies muss sich auch im Handeln ausdrücken. Durch Denken, Handeln und Gestalten von Beziehungen verändern wir am nachhaltigsten unser Lebensgefühl. Hierbei spielt die Erwartungshaltung eine große Rolle.

Bekanntermaßen sind die Kennzeichen von Optimisten, dass sie eine heitere, aktive, zuversichtliche und lebensbejahende Grundhaltung besitzen, die auch eine positive Erwartung in Bezug auf eine Sache oder hinsichtlich der Zukunft haben. Sie malen sich ihre Zukunft eher positiv, statt grau in grau. Pessimisten haben eine Grundhaltung ohne positive Erwartungen und Hoffnungen. Er bezeichnet auch eine negative Erwartung hinsichtlich einer Sache und der Zukunft, sowie eine philosophische Auffassung nach der die Welt schlecht und eine Entwicklung zum Besseren nicht zu erwarten sei. Sie sind passiv, skeptisch, sieht in jeder Aufgabe ein Problem.

Auch hier gilt, dass weder das Eine noch das Andere besser oder schlechter ist. Wichtiger ist wohl, wann und wie wir die Erlebens- und Herangehensweise sinnvoll zB. glücksbringend, einzusetzen in der Lage sind.

Je nach Situation und Aufgabe ist das Eine oder Andere vorteilhafter. Es ist daher wichtig die Tendenzen nicht eskalieren (rosa bzw. schwarze Brille oder im Extrem als bipolare Depression: manisch-depressiv oder Schizophrenie), sondern sich gegenseitig unterstützend und ausgleichend wirken zu lassen.

Das Schwanken um einen individuellen Durchschnittswert von Zufriedenheit oder Glück ist die Regel, wobei die Ausschläge stark oder schwach sein können. Nicht jeder braucht starke Abweichungen von seinem Durchschnittslevel. D.h. wie intensiv die jeweilige Erfahrung empfunden werden muss, um Glück oder Unglück zu erleben, ist ebenfalls unterschiedlich.

Evolutionär gesehen hat Glück als Dauerzustand keinen entscheidenden Wert. Negative Gefühle dienen der Prävention und dem Schutz. Positive Gefühle als starke Motivatoren und Freude. Letztlich dienen beide Gefühle der Kreativität und Weiterentwicklung. Deshalb halten positive Gefühle nicht an, damit wir motiviert, aufmerksam und aktiv bleiben und negative Gefühle sind nicht von Dauer, um wieder neue Kraft zu schöpfen, gesund zu bleiben und das Leben zu genießen.

Wohl kaum jemand ist so einfältig, ein ständiges High zu erwarten. Die Frage ist nur, wie viel ist das Mindestmaß an Glück oder Höchstmaß an Unglück, das jemand vom Leben erwartet?

So wird aus biologischer wie psychologischer Sicht deutlich, das Glück kein Dauerzustand bzw. ein Glückhöhepunkt nach dem anderen keinen Sinn macht und von daher nicht erstrebenswert ist.

Das Leben ist ein auf und ab bzw. eine Wellenbewegung, man kann nur den Grundlevel des Glücks steigern, bestenfalls exponentiell als Zeichen, auf dem richtigen Weg zu sein.

Wenn auch der Wunsch nach andauerndem Glück psychologisch gesehen verständlich ist – denn angenehme Gefühle sind eben angenehm und deshalb beliebter als unangenehme – so steht doch am Ende die Einsicht, das nichts auf der Welt von Dauer ist.

Wir tun gut daran, dies zu verstehen und einverstanden zu sein mit dem was passiert. Dies bedeutet aber keineswegs die Hände in den Schoß zu legen oder gar sich alles gefallen zu lassen, sondern aus dieser Einsicht das Beste zu machen.

So dürfte wohl jeder schon die Erfahrung gemacht haben, dass Einerseits die Intensität der Gefühle verlieren, wenn die erzeugenden und äußeren Umstände anhalten. Andererseits, dass Erlebnisse, die zeitweise oder gegebenenfalls als nur imaginären Vorwegnahme „geschehen“ sind und dabei negative Gefühle wie Ärger, Frustration, Unbehagen oder Angst hervorgerufen haben, gar nicht eingetreten sind oder sich im Nachhinein als nur halb so schlimm oder wenn nicht gar als wahrer Segen erwiesen haben.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine glückliche Zeit

Eure Madeleine
Initiatorin von Selbsthilfe Glück

August 7, 2018

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