Neuanfang – Dein Leben verändern (Teil 1)

selbsthilfeglueck - Neuanfang

Neuanfang – Den Job hinschmeißen, sich noch mal verlieben…? Nichts erscheint so verheißungsvoll wie ein Neuanfang. Gleichzeitig macht aber auch selten etwas so viel Angst.

 

Weshalb lohnt es sich trotzdem immer wieder neu anzufangen?

Alles, was an unserem Leben gut ist oder einmal gut war, alles, was uns ausmacht, Freundschaften, unsere Beziehungen, Kinder vielleicht, der Job, die Wohnung, unsere Hobbys – alles hat seinen Ursprung darin, dass wir einmal, vor längerer Zeit, etwas Neues angefangen und gewagt haben. Wollen wir mal was zusammen trinken gehen? Wollen wir uns mal treffen? Ich lass Ihnen meine Bewerbungsunterlagen da… Bin ich hier richtig beim Töpferkurs oder bei “Italienisch für Anfänger”?… Das alles waren einmal Neuanfänge. Und oftmals die besten Augenblicke unseres Lebens.


Wirkliches und wahres Leben bewegt sich nach vorn

In der Forschung wird unsere Sehnsucht nach Neuanfängen als “Ruf des Lebens” bezeichnet. Neuanfänge sind nicht weniger als ein abwechslungsreiches und spannendes Leben. Ein Abenteuer, dessen Heldinnen und Helden wir sind. Mit Dämonen, gegen die wir kämpfen. Neuland, das wir entdecken, um unserem neuen Ich bzw. unser Selbst zu befreien, ganz so als wäre es eine Prinzessin, die in einem verwunschenen Schloss gefangen ist oder der Prinz der sich durch die Dornenhecken kämpft um seine Prinzessin wach zu küssen. 

Oftmals sitzen wir mit ein paar Freunden, an langen Winterabenden so dunkel und lang, dass irgendwann der Klatsch und die kleinen Themen erschöpft sind, und dann kommt endlich die Wahrheit ans funzlige Licht der runterbrennenden Kerzen und die Oberfläche wird verlassen. Der Job nervt… Die Stadt ist die falsche… Die Liebe ist so abgenutzt…

Unser Leben ist uns irgendwie zu eng geworden. Wir sitzen fest. Alles läuft auf ein großes “Eigentlich will ich viel lieber…” hinaus. “Man müsste doch eigentlich…”.

 

Und dann?

Dann kommen oftmals die Dämonen aus dem dunklen Wald des Grenzgebietes. Wir schwanken zwischen dem Alten und dem Neuen. Schon während dem Gespräch fallen uns nun tausend Gründe ein, warum es nicht geht.

  • Jetzt kündigen und sich selbständig machen? Viel zu riskant.
  • Eine Paar-Therapie anfangen, damit wir irgendwann mal wieder miteinander reden können? Bringt ja doch nichts.
  • Mit Mitte dreißig ein Klavier kaufen und Stunden nehmen? Die Zeit hab ich gar nicht.
  • uvm.

Wir gehen nachdenklich nach Hause, legen uns ins Bett und leiden ein bisschen still vor uns hin und an uns selbst. An unserer Unzufriedenheit und unserer Feigheit, bis wir einschlafen. Morgen müssen wir früh raus in einen weiteren neuen Tag, der sich schon morgens alt und gebraucht anfühlt. Eine neue altbekannte Arbeitswoche die uns nicht wirklich erfüllt oder erfreut, trauern dem Wochenende nach und freuen uns schon am Montag auf den Freitag.

 

Warum ist das oftmals so?

Die Angst vor dem Scheitern ist größer als die Sehnsucht.

Es gibt ein paar interessante Theorien, warum wir in unserer Unzufriedenheit verharren, statt uns zu bewegen.

  • Es ist wie mit den Aktien, die fallen und die wir behalten, weil wir hoffen, sie würden irgendwann wieder den Wert erreichen, zu dem wir sie gekauft haben. „Wenn ich jetzt was Neues anfange, dann habe ich den ganzen Frust umsonst gehabt, ich muss erst mal wieder auf Null kommen, sonst mache ich Verlust.“ Oder
  • das Phänomen der “kognitiven Dissonanz” – ich bleibe in meiner lieblosen Beziehung, weil mich zu trennen bedeuten würde, mir und anderen einzugestehen: „Das war alles nichts. Wenn ich jetzt gehe, dann hätte ich schon viel früher gehen müssen, also habe ich versagt, und dann bleibe ich lieber.“

Es ist so ähnlich, wie ein Kind, das im Süßwarengeschäft nicht weiß, was es von seinem Euro kaufen soll. Wir sind wie gelähmt von der Vielfalt unserer Möglichkeiten. Wenn ich mich für die Gummibärchen entscheide, entscheide ich mich gegen alles andere.

Was ich habe, wird immer weniger sein als das, was ich nicht habe.“ Dann tun wir lieber nichts und beklagen uns wieder und wieder darüber, dass unser Leben unausgefüllt ist.

Wir reden gerne darüber, wie furchtbar alles ist. Leider oftmals viel lieber als über Ziele und Lösungen.

Wir schwelgen in negativen Gefühlen, definieren uns als Opfer der Umstände und sagen uns selbst auf diese Weise immer, häufig unbewusst: „Ich bin unschuldig daran, dass ich mein Problem habe und es nicht lösen kann.“ Wenn man tiefer blickt ist es aber: “Ich werde so lange ein Problem nicht lösen, wie die Vorteile dieses Problems für mich überwiegen” oder “Es ist bequem, es ist vertraut, es ist gelernt. Und wir finden uns lieber mit einem bekannten Unglück ab, als uns der Bedrohung eines unbekannten Glücks auszusetzen.”

Statt etwas zu ändern, bleiben wir in unserer so genannten Komfortzone. Das ist der Bereich, in dem alles so vertraut ist, so dass selbst die Probleme etwas Anheimelndes haben.

Susanne und ihre Männer zum Beispiel. Seit Jahren hat Susanne sich in einer Endlosschleife verheddert. Ein Mann nach dem anderen, der ihr nicht gut tut. Interessante, aber unzuverlässige Typen, die von ihrem Geld leben, nie da sind, nicht zu ihr stehen… Alle sehen gut aus, das stimmt und Susanne weiß selber, dass ihr Beuteschema “dunkelhaariger, geheimnisvoller Schweiger, der schwer zu kriegen ist” ihr kein Glück bringt. Sich aber auf einen anderen Typ Mann einzulassen, würde für sie bedeuten, all ihre Beziehungen, ihre Ansprüche, ihre eigene Bindungsfähigkeit in Frage zu stellen. Das wäre sehr bedrohlich. Und anstrengend. Denn sie müsste die Komfortzone ihres bekannten Unglücks verlassen…

Es ist immer das Gleiche, wie beim Lernen. Angenommen, jemand überredet mich dazu, einen Tangokurs zu besuchen. In meiner Komfortzone habe ich nie über Tango nachgedacht und darüber, dass ich Tango nicht tanzen kann. D.h. ich war im seligen Zustand der so genannten “unbewussten Inkompetenz”. Nun verlasse ich meine Komfortzone, finde mich in einer zugigen Fabriketage wieder, und sehr schnell stelle ich fest: Das kann ich nicht! Ich begebe mich also von der “unbewussten Inkompetenz” in den bedrohlichen Zustand der “bewussten Inkompetenz”. Nun heißt es üben, üben, üben, ich seh’s schon vor mir, die Mittwochabende meiner besten Jahre in eben jener Fabriketage, bis ich eines Tages merke: Verdammt, es geht doch! Damit habe ich den Zustand der “bewussten Kompetenz” erreicht. Nun tanze ich immer weiter, bis ich Tango kann, ohne darüber nachzudenken. Das nennt man dann “unbewusste Kompetenz”. Das sind die vier Bereiche die ich dabei durchlaufe und erlebe.

 

Kinder reagieren anders

Als Kinder reagieren wir mit Angstlust und so funktioniert jeder Neuanfang, der gelingt.

Das schreibt sich jetzt so leicht von mir. Doch interessant ist vielmehr, wie schwierig und aufreibend es ist, wie viel Kraft und Mut es erfordert.

Denn im Zustand der bewussten Inkompetenz entwickeln wir starke Abwehrstrategien, um uns das Neues vom Leibe zu halten.

Erst mal sagen wir, das Thema ist blöd. „Also Tango ist doch im Grunde total affig, was will ich hier eigentlich.“

Wenn uns das noch nicht reicht, um aufzuhören, werten wir denjenigen ab, der uns das Neue nahe bringen will. „Der Lehrer ist definitiv unfähig.“

Und wenn das noch nicht gewirkt hat, kommt die stärkste Abwehrstrategie – wir werten uns selber ab. „Was soll’s, ich habe einfach kein Rhythmusgefühl.“

Kinder haben keine Komfortzone, wie wir Erwachsenen, sonst würden sie niemals laufen oder sprechen lernen. Sie haben eine „Überlebenszone“ und auf Neues reagieren Kinder mit Angstlust, ein Gefühl, das wir alle kennen. Das ist eine gewisse Entdecker-, Abenteuerlust gepaart mit etwas Angst.

Im Laufe unseres Lebens verschieben sich die Anteile. Je älter und routinierter wir werden, desto mehr überwiegt unsere Angst.

Kinder, die laufen lernen, stehen immer wieder auf, bei ihnen ist die Lust an der Neuentdeckung unendlich größer als die Angst, sich wehzutun oder sich lächerlich zu machen.

 

Warum bleiben wir nicht einfach in unserer Komfortzone?

Lassen alles, wie es ist, betäuben uns irgendwie und warten ab, was passiert? Vielleicht oder manchmal kommt es dann irgendwann zur großen Katastrophe. Aber was soll’s, vielleicht brauchen wir die.

Ist es denn nicht erwiesen, dass wir in Krisen, die von außen über uns hereinbrechen, besser unsere Ressourcen nutzen, als wenn wir selber was verändern? Oder wir ahnen, dass unser Partner uns irgendwann verlassen wird, wenn wir so weitermachen wie bisher. Dann verspüren wir eine dunkle, ohnmächtige Hoffnung, „Komm, Katastrophe, und schenk mir die Kraft, dann endlich was zu verändern.“ Wie ein Karnickel, das vor der Schlange sitzt und sie anstarrt und sich sagt, „Jetzt abhauen? Nee, das bin ich irgendwie nicht. Erst mal abwarten. Wer sagt denn, dass es im Verdauungstrakt eines großen Reptils nicht auch die eine oder andere interessante Perspektive gibt?“

Indem wir es uns in unserer Komfortzone so richtig gemütlich machen, verschenken wir die Möglichkeit, uns weiterzuentwickeln.

Egal, in welche Richtung, egal, mit welchem Ausgang.

Ein Neuanfang entfaltet immer eine ganz besondere Kraft. Ein Neuanfang macht wacher und flexibler, der gefährliche Weg in unbekanntes Gebiet lässt uns bewusster leben, wir lernen, Chancen und Risiken besser einzuschätzen.

Wir erfahren, wie es die Psychologie sagt, mehr “Selbstwirklichkeit”. Ich bestimme, was meine Wirklichkeit ist, nicht die Umstände, nicht die anderen.

Und: Wir sind in Veränderungsphasen weitaus empfänglicher für Glücksempfindungen als in Zeiten des Stillstands.

 

Ein Neuanfang macht also glücklicher, schlauer und er verlängert sogar die subjektive Lebenszeit beträchtlich

Das Gefühl, dass die Zeit mit zunehmenden Alter immer schneller zu vergehen scheint, hängt manchmal auch mit einem Mangel an Neuanfängen zusammen. Je mehr Routine, je weniger neue Impulse und Ideen, desto schneller lässt unser Gehirn die Uhr ablaufen.

Ganz zu schweigen davon, dass wenn der Neuanfang gelingt, wir einen besseren Job, mehr Verständnis für unseren Partner, eine neue Liebe oder eine neue Wohnung haben werden.

Zusätzlich sind Neuanfänge gesund. Das “ungelebte Leben”, also der vermiedene Neuanfang, macht krank. Wir fühlen uns nicht so lebendig, wir haben viel weniger neue Eindrücke, unsere Gehirn ist nicht mehr so aktiv sondern eher in einem Dämmerschlaf und psychosomatische Erkrankungen, “die Streiks von Körper und Seele”, sollen wir als “Aufrufe zum Leben” verstehen und haben oft darin ihre Ursache.

 

In Geschichten, Märchen, Sagen, Filmen – immer geht es um Aufbruch

Die großen Mythen aller Zivilisationen, unsere Sagen und Märchen, die Klassiker der Weltliteratur – fast alle erzählen von Neuanfängen.

Aschenputtel ist unzufrieden mit ihrem Arbeitsplatz als Erbsensortiererin und kämpft gegen die böse Stiefmutter, um ihre Situation zu verbessern.

Don Quichote lässt eine ereignislose Existenz als verarmter Landadliger hinter sich, um sich als Ritter allerhand Feinden zu stellen.

“Easy Rider”, “Thelma und Louise”, “Shall We Dance?” – immer, wenn wir etwas aus dem Kino mitnehmen, handelte der Film von einem Aufbruch.

Es scheint, als würden wir Menschen uns die Geschichte vom Neuanfang seit Jahrtausenden immer wieder erzählen, um uns Mut zu machen.

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Lass das mal sacken und im 2. Teil geht es darum: Wie kann der Neuanfang gelingen?…

Alles Liebe

Deine Madeleine 🙏🍀💕

Initiatorin Selbsthilfe Glück

Neuanfang – wie gelingt er? (Teil 2)

Zu sich selber finden (Selbstfindung – Teil 1)

 

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