Was ist Authentizität? Echtheit, Aufrichtigkeit, Authentizität…

Authentizität Mann trägt eine Maske

Spielen wir nicht alle irgendwelche Rollen, jeden Tag? Tagein, tagaus…

Das soll Authentizität sein?

Wir entsprechen:

  • Erwartungen im Job
  • erfüllen manches Klischee
  • erfüllen Geschlechterrollen oder Status-Stereotypen im Büro
  • passen uns an oder
  • spielen Rollen im Privaten….

Warum?

Um anderen zu gefallen, um sie zu provozieren oder um beachtet zu werden – je nach Bedarf.

 

Ist das dann überhaupt noch echt – oder eine faustdicke Lebenslüge?

In Vielen von uns wächst die Sehnsucht nach Authentizität, der Wunsch nach Sein statt Schein. Danach, die Masken abzunehmen, echt zu sein, sich so zu zeigen wie man ist und vor allem: authentisch zu sein, angenommen und geliebt zu werden wie man wirklich ist.

Es ist ein tiefverwurzelte Sehnsucht in Jedem von uns, so geliebt zu werden wie man ist. Jeder hat diese Art von Liebe schon mal erlebt und wenn es ggf. auch das letzte Mal als Baby war. Das war, bevor uns das Einheitsempfinden aus diversen Gründen, u.a. auch durch den Individualisierungsdruck, immer mehr verloren ging.

 

Authentisch sein – bleibt die Frage: Geht das überhaupt – und wenn ja wie?

Definition und Bedeutung der Authentizität

Dafür widmen wir uns kurz der Definition und Bedeutung der Authentizität.

Kaum ein Begriff ist in der Vergangenheit so oft erwähnt und erwünscht worden, wie der, authentisch zu sein. Allein Google findet dazu inzwischen rund 19,9 Millionen Einträge zum Suchbegriff „authentisch“, vor drei Jahren waren es knapp die Hälfte. So groß ist die Sehnsucht nach dem Echten heute.

Das Substantiv Authentizität wird heute oft mit „Echtheit“ übersetzt. Wenn etwas als authentisch gilt, dann wurde es laut Definition also auf seine Echtheit geprüft und als Original befunden. Das gilt für Dinge oder Dokumente genauso wie für Menschen. Nur lassen sich diese natürlich schwerer prüfen. Deshalb versuchen wir es oft mit anderen Kriterien – wie etwa der Übereinstimmung von Reden, Handeln, Gefühlen oder Denkweisen einer Person.

Vielleicht ist die etymologische Betrachtung (Wortherkunft) des Begriffs zielführender: Das Wort Authentizität leitet sich vom Griechischen authentikós ab: „Autos“ bedeutet selbst und „ontos“ sein. Authentisch zu sein, heißt also übersetzt so viel wie: man selbst zu sein.

 

Die Kunst authentisch zu sein?

Authentische Menschen wirken in der Regel wahrhaftig, ungekünstelt, offen und entspannt. Ein authentischer Mensch strahlt aus, dass er zu sich selbst steht, zu seinen Stärken und Schwächen. Er ist gewissermaßen im Einklang mit sich selbst und das spürt auch die Umgebung, die Umwelt.

Synonyme für Authentizität sind entsprechend:

  • Glaubwürdigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Unverfälschtheit
  • Wahrhaftigkeit

Oder? Was assoziierst Du mit „authentisch sein“? Sich nicht verbiegen lassen? Aufrecht sein? Glaubwürdig, zuverlässig, echt sein? Keine faulen Kompromisse eingehen?

„Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu. Du machst hier bald mit einem Bekanntschaft, den ich genauso wenig kenne wie du.“

Das singen Udo Lindenberg und Jan Delay in ihrem Hit „Ganz anders“. Die erste Hälfte des Zitats stammt eigentlich auch von jemand ganz anderem: dem österreichisch-ungarischen Schriftsteller Ödön von Horváth und seinem Werk „Zur schönen Aussicht“.

Hinter der Aussage steckt der Wunsch, sich selbst besser zu (er)kennen sowie die Sehnsucht nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit – nach Authentizität eben.

Tatsächlich empfinden viele ihr Gegenüber schon dann als glaubwürdig, wenn sich der- oder diejenige ihren eigenen Vorstellungen entsprechend verhält.

Menschen mit Ecken und Kanten dagegen sind latent verdächtig, etwas im Schilde zu führen…

So kommt es zu der grotesken Situation, dass am Ende diejenigen als besonders authentisch empfunden werden, die ihre Rolle besonders überzeugend spielen oder sich so verhalten, wie wir es von ihnen erwarten.

 

Reichen diese Indizien daher wirklich aus?

Tatsächlich haben sich in der Vergangenheit zahlreiche Wissenschaftler mit der Authentizität beschäftigt und versucht, diese auf irgendeine Weise zu messen oder zumindest etwas genauer zu bestimmen.

 

Die 4 Kriterien der Authentizität

Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman von der Universität von Georgia unterscheiden hierbei vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit wir uns selbst als authentisch erleben:

1.                  Bewusstsein.

Wir müssen unsere Stärken und Schwächen ebenso kennen wie unsere Gefühle und Motive für bestimmte Verhaltensweisen, also warum wir uns so oder so verhalten. Erst durch diese Selbstreflexion sind wir in der Lage, unser Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.

2.                  Ehrlichkeit.

Hierzu gehört uns der ungeschminkten Realität, das eigene Selbst betreffend, ins Auge zu sehen und auch unangenehme Rückmeldungen zu akzeptieren. Also Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit zu sich selbst.

Leider neigen sehr viele Menschen dazu, uns schöner zu sehen als wir sind. Es gibt einen amüsanten Versuch von Nicola Epley und Erin Whitchurch mit Porträtfotos und durch Photoshop geschönten Varianten. Auf die Frage, welches der Fotos die Probanden selbst zeige, entschieden sie sich jedes Mal für das aufgehübschte Foto. Sollten sie hingegen die Porträts anderer Teilnehmer identifizieren, wählten sie ohne Probleme das unbehandelte, authentische Gesicht. Traurig, aber wahr: Wer authentisch sein will, muss der Realität ins Auge blicken und auch unangenehme Rückkopplungen (seien sie optisch oder verbal) akzeptieren.

3.                  Konsequenz.

Wer Werte und Überzeugungen hat, sollte danach auch handeln. Das gilt für gesetzte Prioritäten und auch für den Fall, dass man sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.

(Opportunismus = zweckmäßige Anpassunge an die jeweilige Situation beziehungsweise Lage. Oppurtunist = er nutzt eine günstige Gelegenheit ohne Rücksicht auf Konsequenzen oder eigene Wertvorstellungen zu seinem Vorteil.)

4.                  Aufrichtigkeit.

Natürlich lässt sich eine zeitlang ein geschöntes Bild aufrecht erhalten. Ganz nach dem Motto: „Ein bißchen Show muss sein“ und so.

Aber nicht wenn es um Authentizität geht. Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, sein wahres Selbst, mit seinen positiven wie negativen Seiten, in sozialen Beziehungen offen zu zeigen und nicht zu verleugnen. Wer wahrhaftig sein will, muss die Größe zeigen, auch seine negativen Seiten zu offenbaren.

  • – – – – – – – – – – – – – –

Authentizität beginnt also immer bei sich selbst. Wer versucht, Rollen und Klischee zu entsprechen, bewegt sich schon davon weg. Das ist zwar vielleicht beliebt, aber häufig auch opportun und unecht.

 

Kann man authentisch sein, trotz Entwicklung?

Auch wenn Selbstbild und Fremdbild im Einklang stehen, bedeutet das nicht, dass wir so bleiben müssen, wie wir sind.

Unsere Persönlichkeit ist kein zementierter Zustand. Wir entwickeln uns stetig weiter. Nicht nur unsere Fähigkeiten und Kompetenzen – auch Persönlichkeitsmerkmale sind veränderbar.

Sicherlich wird aus einem Mauerblümchen nicht unbedingt eine Rampensau, aber wir verändern unsere Identität im Schnitt alle 20 Jahre, so jedenfalls das Ergebnis einer Studie von Margaret King und Jamie O’Boyle. Danach liegen die typischen Anpassungsphasen in etwa den jeweiligen Lebensaltern zwischen 15 und 20, 35 bis 40, 55 bis 60 sowie über 75 Jahren.

Der „abgeschlossene, fertige Mensch“, der so ist, wie er ist, ist also eine Illusion. Wir können somit immer noch authentisch sein, selbst wenn andere feststellen: „Du hast dich aber verändert!“

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“, strahlt aus, dass sie zu sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen steht und im Einklang mit sich selbst handelt. Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als ehrlich, stimmig, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln.

Authentizität ist also nicht gleichbedeutend mit Konformität. Entscheidend ist vielmehr die Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit uns selbst gegenüber.

 

Die Kunst authentisch zu bleiben

Aus der Zwillingsforschung ist heute bekannt, dass die Gene allenfalls 20 bis 50 Prozent Einfluss auf den Charakter eines Menschen nehmen. Der Rest ist freier Wille. Oder mit den Worten Epikets:

Mache dir selbst zuerst klar, was du sein möchtest; und dann tue, was du zu tun hast.

Das Arschloch kann sehr wohl etwas dafür, dass es ein Arschloch ist. Seine Authentizität adelt die Exkremente jedenfalls nicht zum 5-Gänge-Menü.

Nicht das Authentische verdient unsere Bewunderung, sondern die Gabe, echte Werte zu erkennen, zu bewahren und zu leben. Nicht wer man heute ist, ist das Ziel, sondern wer man sein möchte – und das möglichst in einer besseren Version als die aktuelle.

Es ist die Kunst mitzugehen, ohne die falsche Richtung einzuschlagen.

Wer Fehler macht, diese erkennt, kann sich anpassen und verändern – und dennoch authentisch bleiben. Das ist kein Widerspruch, im Gegenteil: Die Veränderung des Denkens und Handelns ist ebenfalls Teil der echten Persönlichkeitsentwicklung. Und ein wesentlicher Charakterzug der Authentizität.

 

Akzeptanz

Umgekehrt gilt aber auch: Wer nach dem Authentischen sucht, der muss ebenso bereit sein, Menschen mit Ecken und Kanten zu erleben, zu ertragen und mit ihnen zu leben. Derjenige muss bereit sein, andere Meinungen, anderes Denken und Handeln wertzuschätzen und darin – trotz aller Reibung – eine Bereicherung zu sehen oder womöglich gerade deswegen.

Viele können das nicht. Was sich im Internet leider oft beobachten lässt. Sie schieben Ihre (teils unbegründeten und unreflektierten) Überzeugungen vor sich her und kommentieren nach dem Motto: Wer nicht meiner Meinung ist, muss ein Idiot sein.

Ganz ehrlich: Wer so agiert, mag in gewisser Weise noch authentisch sein, beweist aber auch geistige Unreife. Und leider – z.B. durch den PageRank-Algorithmus in der Google Suchmaschine sind dann diese Leute sogar wirklich davon überzeugt, der größte Teil der restlichen Menschen denkt genauso wie sie.

Dagegen ist womöglich das die wahre Kunst, authentisch zu bleiben: ehrlich und treu sich selbst sein und Toleranz gegenüber dem Anders-Authentischen zu üben.

Selbst wenn es dem einen nur zum Ansporn, dem anderen zum Anstoß und dem dritten als Vorbild, Idol usw. gilt.

 

Im nächsten Beitrag geht es darum, warum es sich lohnt sich selbst treu zu bleiben und ich geb Dir ein paar Tipps zu mehr Authentizität.

 

Viele herzliche Grüße

Deine Madeleine
Initiatorin Selbsthilfe Glück

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