Warum Zwiegespräche so wichtig sind und so viel bringen?

Zwiegespräche

 

Zwiegespräche halten zusammen

Zwiegespräche lassen Dich Dein Gegenüber besser erkennen, verstehen und nachempfinden. Dadurch baut sich Verbundenheit auf, selbst wenn ihr unterschiedlicher Meinung seid.

 

Wie ist der Stand?

Paarsterben – auf diese einfache Formel bringt der Psychoanalytiker Michael L. Moeller die derzeitige Situation der Ehen und Partnerschaften.

Ahnungslos und unvorbereitet gehen Menschen in eine Zweierbeziehung, das größte Wagnis ihres Lebens. Sie nehmen sich zu wenig Zeit füreinander. Geben sich für die Beziehungsprobleme gegenseitig die Schuld, werden passiv und verlieren bald auch die erotische Lust aneinander. „Beziehungslos in der Beziehung” nennt man den beklagenswerten Zustand, der übrigens weltweit stattfindet, nicht bloß in den Industrienationen.

Die Lösung: „wesentliches” miteinander sprechen. Nicht über die Arbeit, über die Kinder oder übers Essen, sondern – über sich selbst.

Kennst Du die häufigsten Grundprobleme für Trennungen von Partnerschaften oder Ehen?

 

Was war am Beginn der Beziehung anders?

Am Anfang einer Beziehung tut das jedes Paar von alleine. Man ist neugierig aufeinander, will alles vom anderen wissen. Aus der wachsenden Vertrautheit erwächst die erotische Anziehung, das Verbundenheitsgefühl.

Dann aber denken beide, dass sie vom anderen nichts Neues mehr erfahren können, weil sie sich schon so viel erzählt haben und sowieso alles über den anderen wissen.

Beziehungsprobleme beruhen meist auf diesem Irrtum.

 

Was hilft?

Als Gegenmittel gegen diese Beziehungsprobleme gibt es das „Zwiegespräch”. Es ist eine Unterhaltung nach einfachen, aber festen Regeln. Beide Partner verpflichten sich gegenseitig, diese Regeln einzuhalten.

Es ist übrigens nicht nur in einer Paarbeziehung gut dieses Zwiegespräch zu nutzen. Auch in anderen Beziehungen in einer Freundschaft oder kontextbezogen in einem Team usw. kann es sehr hilfreich sein.

 

Warum Zwiegespräche so gut tun?

Jedes Paar lebt praktisch in einer doppelten Wirklichkeit:

  • in der eigenen und
  • in der des Partners.

Wenn jeder die Wirklichkeit des anderen kennen lernt, wird die Partnerschaft bereichert.

Wenn jeder aber den anderen davon überzeugen möchte, die eigene Wirklichkeit sei die bessere, entstehen Beziehungsprobleme und die Beziehung geht innerlich zu Ende. Daher lautet die wichtigste Voraussetzung des Zwiegesprächs: vollständige Gleichberechtigung der beiden Wirklichkeiten. 

 

In Zwiegesprächen lernen beide Partner 5 große Wahrheiten

1. „Ich bin nicht du”

Du lernst, dass ihr euch gegenseitig viel weniger kennt, als ihr ahnt.

In einer länger andauernden Beziehung behauptet ständig ein Partner etwas über den anderen. Michael L. Moeller (Psychoanalytiker) nennt das „den anderen kolonialisieren” oder „Paar-Rassismus”: Jeder ist heimlich überzeugt, irgendwie doch der Bessere von beiden zu sein.

Ein ehrliches Zwiegespräch macht damit Schluss.

Jeder entwickelt sich weiter. Jede Situation verändert auch den eigenen Blick. Meistens ist eine Meinung über etwas anderes schnell gefällt. Anders sieht es aus, wenn man auf einmal selbst mittendrin steckt. Evtl. verändert sich damit auch die eigene Meinung und Empfindung usw. Vielleicht auch das Verständnis gegenüber anderen Menschen in ähnlichen Situationen?

Außerdem bekommt ihr über diese offene ehrliche Kommunikation auch ein Gespür für das Gefühlsleben des anderen. 

2. „Wir sind 2 Gesichter einer Beziehung”

Ihr lernt, euch nicht als 2 unabhängige Individuen aufzufassen, sondern als ein Paar, dessen Unterbewusstes schon längst zusammenspielt. Die unangenehmsten Eigenschaften Deines Partners/in, seine/ihre Geheimnisse vor Dir – all das gehört zu euch beiden. Du kannst die Beziehungsprobleme nicht auf den anderen abschieben.

Diese Einsicht revolutioniert den Paaralltag. Denn es gibt keinen Boden mehr für Vorwürfe und Selbstvorwürfe, weil beide am Verhalten eines jeden beteiligt sind.

3. „Dass wir miteinander reden, macht uns zu Menschen”

Du lernst, dass Du bestenfalls Dich selbst, aber nicht den anderen ändern kannst. Auch wenn Du es ununterbrochen versuchst. Und Du lernst, dass Du beim Miteinanderreden nicht nur eine Beziehung zum anderen, sondern auch zu Deinem selbst aufnimmst.

4. „Wir erzählen uns Bilder”

Du lernst, anstelle von „Ich finde dich toll” konkrete Szenen zu benutzen: „Heute früh sah ich dich, wie du auf dem Rad mit leicht wehendem Rock um die Ecke kamst und das Sonnenlicht in deine Haare geleuchtet hat. Da fand ich dich ganz wundervoll du selbst und so unglaublich schön.” Wenn man Bilder beschreiben will, muss man achtsamer sein um das Bild detailliert beschreiben zu können.

5. „Für meine Gefühle bin ich selbst verantwortlich”

Du lernst, Deine Gefühle als Handlungen Deines Unbewussten zu verstehen – und nicht zu glauben, Gefühle kämen schicksalhaft über Dich oder würden von außen gemacht. Du lernst, Deine Gefühle klarer auszudrücken und souveräner mit ihnen umzugehen, z. B. indem Du Dich nicht von jedem Gefühlsimpuls bestimmen lässt.

 

Erkenne Deine eigene Bedürfnisse „Worum geht es mir eigentlich?“ und verbessere dadurch Deine Kommunikation

 

Wenn ein Zwiegespräch schief läuft?

Gib deswegen nicht gleich auf. Zwiegespräche optimieren sich selbst. Falls ein Zwiegespräch einmal miserabel ausfallen sollte, wird das nächste automatisch besser. Zwiegespräche wirken über sich hinaus. Auch die anderen Gespräche werden wesentlicher und offener.

 

Was Zwiegespräche noch bewirken?

Psychosomatische Untersuchungen haben erwiesen, dass das menschliche Immunsystem wesentlich durch die Qualität der Paarbeziehung bestimmt wird. Das Blutbild nach einem Zwiegespräch verbessert sich messbar.

Das subjektive Glücksgefühl eines Menschen hängt ebenfalls wesentlich von der Paarbeziehung ab.

Eine gute Partnerschaft ist außerdem prägend für die Kinder des Paares. Jedes Kind ahmt später unbewusst die Paarqualität seiner Eltern nach. Ist Dir das in Deiner Elternrolle wirklich bewusst?

Wenn Dir das wirklich vollends bewusst ist, weißt Du auch warum eine gute Kommunikation so essentiell für jeden von uns ist.

Die durch die Zwiegespräche verbesserte Paarkommunikation bereichert schließlich auch euer Sexualleben. Eine schlechte Kommunikation verschlechtert auch den Sex in langfristigen Beziehungen. Es ist ein Irrtum, dass zu gutem Sex eine gewisse Fremdheit gehört. Gegenseitiges Verständnis und intime Vertrautheit sind die besten Zutaten für eine wirklich erfüllte Erotik. Das andere ist neu, Abenteuer, körperlicher Sex, Egobestätigung und hat nichts mit Tiefe, Sinnlichkeit, Geborgenheit, Liebe und innerer Erfülltheit zu tun. Das ist hier völlig wertfrei, weder gut oder schlecht. Alles zu seiner Zeit oder den Umständen entsprechend kann anregend sein…

Aber man sollte sich wie immer, der Intension und Wirkung seines Handelns bewusst sein, was man damit allen direkt oder indirekt Beteiligten „antut“ und ob Konsens darüber besteht.

Im Übrigen ist gerade für Männer oder Menschen die sich mit gefühlsbetonter Kommunikation etwas schwerer tun, diese Art der Kommunikation im Zwiegespräch ein super Lernfeld.

 

Was lernt man beim Zwiegespräch für sich?

  1. Du lernst nicht zu verdrängen, sondern zu zuhören, zu verstehen, nachzuempfinden.
  2. Sich selbst zu öffnen ohne beurteilt zu werden oder eine Lösung bieten zu müssen.
  3. Du wirst Dir über Deine eigene umfangreiche Gefühlswelt sehr viel bewusster, klarer und spürst Dich selbst besser.
  4. Sukzessive fühlst Du Dich immer wohler und sicherer mit der klaren offenen Kommunikation ohne Vorwürfe, mit klaren Regeln, auch wenn es um Gefühle geht.
  5. Du kannst Dich zu einer/m Frauen- und Männerversteher entwickeln 🙂

 

2 Minuten pro Tag

Die jüngste Studie, durchgeführt bei 76.000 Personen, ergab: Pro Tag spricht ein deutsches Paar im Durchschnitt 2 Minuten über sich selbst.

In der Presse wurde diese Studie häufig falsch zitiert, als ob ein Paar überhaupt nur noch 2 Minuten miteinander redet. Das stimmt natürlich nicht. Es geht um das „wesentliche” Sprechen, bei dem jeder selbst, die Beziehungsprobleme und das Miteinander in der Beziehung zum Thema gemacht wird.

 

Regeln für Zwiegespräche

Vereinbart einen regelmäßigen Termin von 60-90 Minuten Dauer pro Woche und setzt euch zusammen. Sucht euch einen gemütlichen Platz, am besten seht ihr einander an. In der Zeit des Zwiegesprächs sollte es keine Störungen oder Unterbrechungen geben. Alles ist aus Handy, Radio, Fernseher, Computer usw.

  1. Das Thema ist: “Ich erzähle dir von mir! Ich erzähle, was mich bewegt. Wie ICH mich, dich und mein Leben erlebe. Was mir gefällt, was ich mir wünsche, was ich fürchte.” Jeder malt im Zwiegespräch ein Selbstportrait von sich, an dem er den anderen teilhaben lässt und hat gleichzeitig die Freiheit über das zu sprechen, was ihm wichtig ist oder das zu teilen, was ihn gerade bewegt.
  2. Die ersten 10-15 Minuten spricht der eine, dann der andere. Immer im Wechsel bis jeder 3x gesprochen hat. Das ergibt dann 60-90 Minuten Gesamtzeit, je nachdem ob man 10 oder 15 Minuten Redeblöcke vereinbart hatte.
  3. Wenn der eine spricht, schweigt der andere und hört aufmerksam zu. Es werden keine Fragen gestellt, keine Kommentare oder Ratschläge gegeben. Wenn einer nichts zu sagen hat, dann schweigt er. Das Zwiegespräch ist kein Offenbarungszwang, jeder ist frei in der Wahl seines Themas und sagt nur das, was er will.
  4. Jeder bleibt bei sich – in der Welt des Anderen hat man nichts zu suchen. Es werden keine Interpretationen, Vorwürfe oder Unterstellungen gemacht.
  5. Seid konkret und erklärt euch in kleinen, erlebten Szenen.
  6. Beginnt pünktlich, haltet die Gesprächszeiten ein und hört pünktlich auf.

Nach dem Zwiegespräch wird erst einmal weder nachkommentiert noch weiter über das Thema gesprochen. Lasst es einfach unbewertet sacken und wirken.

Die Regelmäßigkeit der Gespräche ist ein Geheimnis ihres Erfolges. Jeder geht der Frage nach: “Was bewegt mich zurzeit am stärksten?” Es gibt kein anderes Thema im Zwiegespräch, als das eigene Erleben. Einer erzählt dem anderen, wie er gerade sich, die Beziehung und sein Leben erlebt. Die Partner tauschen sozusagen Selbstporträts aus. Manche werden sich gerade erst im Gespräch bewusst, was eigentlich wirklich in ihnen selbst abgeht, wie sie sich fühlen, was sie überfordert, worüber sie glücklich sind, wofür sie dankbar sind…

Es geht darum, bei sich zu bleiben und den anderen in seiner Andersartigkeit kennen und annehmen zu lernen und immer wieder sein Bild vom Partner zu aktualisieren. Grundlage für Zwiegespräche ist die Einsicht: „Ich bin nicht du“ und „Ich weiß dich nicht” und die Klarheit darüber „Ich bin für meine Gefühle selbst verantwortlich”.

 

Zwiegespräche beibehalten

Haben Paare mit Zwiegesprächen begonnen, wirken die ersten Gespräche meist euphorisierend durch die Entlastung von unausgesprochenen Dingen. Obwohl die Wirkung von Zwiegesprächen der persönlichen und der Paarentwicklung außerordentlich gut tut, beginnt der Prozess oft nach einigen Zwiegespräch ins Stocken zu geraten.

  • Es zeigt sich die Tendenz, die Dialoge ausfallen zu lassen und schließlich ganz abzubrechen.
  • Die Zwiegespräche werden abgekürzt oder beginnen sich zu verlaufen.
  • Der Ort wird in die Sauna, die Kneipe, das Auto verlegt. Unterbrechungen oder Ablenkungen treten auf, die den gemeinsamen Entwicklungsprozess stören.
  • Unbemerkte Verschiebungen des Gesprächs vom Entwerfen eines Selbstporträts hin zu einer Sacherörterung finden statt. Das Thema wandert über Organisationsprobleme, Literatur, Politik oder Ähnliches. Aus einem Sprechen “von sich” wird ein Sprechen “über etwas”.
  • Zwiegespräche verlaufen ohne besondere Vorkommnisse, bleiben an der Oberfläche oder Unwichtiges wird zu vermeintlich Wesentlichem verwandelt.

Passiert das, wird es Zeit, genau darüber ein Gespräch, vielleicht sogar ein Zwiegespräch, zu führen. Es kann dafür verschiedene Ursachen geben. Sprecht darüber. Beispiele für Selbstfragen beim “Einschlafen” der Zwiegespräche: „Warum ist mir ein Zwiegespräch wichtig?“ oder „Warum scheint mir ein Zwiegespräch nicht mehr wichtig?“ oder „Gibt es Dinge die mich im nach hinein zu sehr bewegen? Wenn ja, warum?“ oder „Muss ich mich im im nachhinein mit etwas auseinander setzen, was ich gar nicht möchte und verzichte deshalb auf ein Zwiegespräch?“ oder oder oder

 

Sofort-Tipp: Noch diese Woche!

Gebe Deinem Partner/in diesen Artikel zu lesen. Vereinbart noch heute einen Termin für euer erstes Zwiegespräch. Führt es innerhalb der nächsten 7 Tage, besser innerhalb der nächsten 72h wenn möglich. Nutzt den großen Vorteil des „Zwiegespräch” und ihr werdet euch neu kennen lernen.

Jeder sich selbst, aber auch den anderen.

Jedes Paar kann es ohne Anleitung und Training sofort beginnen. Seid nicht verkrampft. Seht es als Spiel euch noch besser kennen und verstehen zu lernen und genießt diese gemeinsame Zeit… eure Beziehung ist es wert!

 

Ich wünsche Dir/Euch alles Liebe und Gute bei der Umsetzung!

 

Deine Madeleine
Initiatorin Selbsthilfe Glück

 

 

 

 

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