Zu mehr Selbstliebe finden, wie geht das? Was hat Selbstliebe mit Beziehungen und Partnerschaft zu tun?


Zunächst:

Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben, also behandle Dich auch so!

Das hat nichts mit Egoismus oder Narzissmus zu tun, im Gegenteil.

Egoismus heißt das Streben nach Erlangung von Vorteilen für die eigene Person, nach Erfüllung der die eigene Person betreffenden Wünsche ohne Rücksicht auf die Ansprüche anderer. Selbstsucht, Ichsucht.

Narzissmus geht mit einer stark aufgeblähten, unrealistisch positiven Selbsteinschätzung, mit Selbstzentriertheit, Berechtigungsdenken und mangelnder Rücksichtnahme auf andere Personen einher. Auf ihre Umgebung üben Narzissten unter Umständen destruktive Einflüsse aus. Sie sind mehr als andere Menschen auf Bewunderung angewiesen, verfügen jedoch über eine große Bandbreite von Verhaltensweisen und Wahrnehmungsmustern, um ihren Bedarf an Bewunderung zu decken und Kritik abzuwehren.

In beiden Fällen, Egoisten wie Narzissten, sind Rücksichtlosigkeit keine Seltenheit, vor allem je höher ihr Defizit nach Anerkennung, Bewunderung, Ichsucht ansteigt. Wenn sie sich dann erstmal wieder aufgeladen, aufgebläht haben hält es wieder eine gewisse Zeit vor bis sie zwingend einen erneuten Schub benötigen, um sich erneut aufzuwerten. Häufig ist die tiefere Ursache, nicht allein in der Kindheit oder Vergangenheit begründet, sondern vor allem mit einem geringen Selbstwert, mit einer geringen Selbstreife. Sie haben ihre Themen nicht aufgearbeitet, wie auch, gegen Kritik geben sie sich häufig immun, leiden an Selbstüberschätzung und müssen sich durch den Mangel in sich selbst, ständig im Außen damit versorgen was ihnen im Inneren fehlt. Deshalb überrennen sie auch oft andere Menschen und bemerken nicht mal, wenn sie andere verletzen, erniedrigen oder ausbeuten. Vorsicht ist geboten, wenn sie nicht bekommen was sie wollen und brauchen. Dann entstehen sehr schnell Hass, Neid, Missgunst, Eifersucht, … schlimmstenfalls Zerstörung bis hin zur völligen Vernichtung.

Selbstliebe dagegen heißt Eigenliebe, bezeichnet die allumfassende Annahme seiner selbst in Form einer uneingeschränkten Liebe (Liebe = stärkste Zuneigung und Wertschätzung) zu sich selbst. Der Begriff ist sinnverwandt mit Begriffen wie Selbstannahme, Selbstachtung, Selbstzuwendung, Selbstvertrauen und Selbstwert.

Früher hatte ich persönlich Schwierigkeiten mit dem Begriff Selbstliebe und nannte es gesunden Egoismus. Seitdem ich mich aber der Thematik Selbstliebe gestellt habe, geht mir auch der Begriff Selbstliebe immer schneller, leichter und einfacher über die Lippen. Viele Schwierigkeiten mit Selbstliebe bestehen darin, weil wir uns häufig nicht mit den Begrifflichkeiten wirklich auseinandersetzen und uns zu wenig mit dem wirklichen Sinn beschäftigen. Viele Wörter werden missbräuchlich eingesetzt, es bestehen Vorurteile oder es bestehen umgangssprachlich allgemeingültige Bilder, die nicht immer korrekt sind und dadurch werden wir beeinflusst. Wobei gerade die deutsche Sprache dabei ein riesen Geschenk ist, da sie sehr vieles sehr differenziert und genau ausdrückt, wenn sie richtig benutzt und eingesetzt wird.

Selbstliebe – Viele tun sich schwer damit, aber weshalb?

Nachdem Du geboren wurdest und die erste Freude über Dein Dasein noch nicht verflogen war, wurdest Du geliebt so wie Du warst, mit all Deiner Bedürftigkeit, mit Deiner Schreierei, ja mit Deiner Stinkerei in die Windeln usw. Irgendwann wendete sich leider das Blatt für jeden einzelnen von uns, bei dem einem frühere bei dem anderen später. Nun bekamst Du durch Blicke, Gesten, Mimik, Worte die Du noch nicht verstanden hast mitgeteilt was gut und falsch war, was gern gesehen wurde und was nicht, was richtig und falsch war. Ja Du spürtest es buchstäblich was erwünscht war und was nicht, denn wirklich Verstandesmäßig verstehen konntest Du es damals noch nicht.

Da Du allein unfähig warst zu überleben, begann nun die erste „Manipulation“, ggf. Deine erste Erfahrung der „bedingten Liebe“, die „Konditionierung“, Deine „Erziehung“ was meistens ein verziehen ist und dies alles nach den zu dieser Zeit geltenden gesellschaftlichen Normen und Ansichten. Da Du völlig abhängig warst, hattest Du gar keine andere Wahl, als Dich zu fügen!

Später im Kindergarten, in der Grundschule, im Gymnasium ja ggf. auf der Universität ging genau dieses Spiel weiter und nun stehst Du ggf. manchmal da und fragts Dich: Wer bin ich? Was will ich, was ist mein Wahres Selbst? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Was ist der Sinn meines Daseins? … Diese Fragen stellst Du Dir aber auch nur, wenn Du Dir die Zeit dafür nimmst oder an einem Scheideweg stehst, sei es finanziell, gesundheitlich oder beziehungsmäßig oder Du aus Deinem Hamsterrad raus willst. Vielen fehlen dann darauf die Antworten. Nun brauchst Du Dich darüber aber nicht zu wundern das Du keine Antworten hast, sondern das ist völlig normal. Guck Dir doch mal Deine Vergangenheit an, wann wurdest Du den mal in dieser Richtung geschult, ausgebildet, gestärkt einfach nur Du selbst zu sein? Das überhaupt erstmal zu dürfen ist ja heute schon teilweise ein Problem. Früher durften wir ja wenigstens noch draußen spielen und uns dreckig machen, selbst das ist ja heute (trotz Waschmaschinen) nicht mehr erwünscht. Oder Deine Kinder werden ganz schnell in die Ecke hyperaktiv abgeschoben, wo Kreativität, Entdeckergeist, Agilität usw. restlos ruhiggestellt werden und dann wundern wir uns das immer mehr Jugendliche, Ballerspiele lieben, Amok laufen oder die Selbstmordraten unter Jugendlichen seit Jahren ansteigen.

Also wann durftest Du das letzte Mal wirklich komplett Du selbst sein, so wie Du eben bist und wurdest Du dabei bestenfalls auch noch geliebt? Vielleicht ist es schon sehr lange her, also musst Du es nach und nach erstmal wieder lernen.

Selbstliebe bedeutet auch Selbstannahme, Selbstachtung, Selbstzuwendung, Selbstfürsorge, Selbstvertrauen, Selbstwert

Was ist daran so unangenehm oder gar falsch?

Denke mal über jeden einzelnen Begriff wirklich nach und fühle in Dich hinein. Du spürst sofort, bei welchem Begriff Du Schwierigkeiten hast oder Du innerlich einen Widerstand fühlst. Genau das sind Deine Ansatzpunkte…, damit solltest Du Dich auseinandersetzen.

Am Ende kannst Du Dich selbst lieben und Dich im wahrsten Sinne des Wortes selbst umarmen, Dich selbst in den Arm nehmen, Dir alles geben was Du brauchst. Sei es Fürsorge, sei es Trost, sei es Dir selbst Mut zu zusprechen, sei es Deinen Erfolg anzuerkennen und zu feiern, sei es Deinen eigenen Wert anzuerkennen und anzunehmen, sei es Deine Einzigartigkeit vollends zu verinnerlichen, sei es Dich selbst zu achten, sei es mit Dir selbst liebevoll umzugehen…

Wenn Du das alles kannst, brauchst Du keine Selbstdarstellung oder Bestätigung mehr im Außen. Du weißt in Dir selbst ganz genau was Du kannst, was Du schaffst, was für Talente, Fähigkeiten und Stärken Du hast, Du kennst Deine eigenen Schwächen und nimmst sie an, Du kennst Deinen eigenen Wert und achtest Dich. Ja Du liebst Dich selbst! Selbstliebe bedeutet die höchste Zuneigung und Wertschätzung für Dich selbst.

Dann gibt es auch keine Arroganz, Überheblichkeit und Hochmut mehr, denn auch das sind Anzeichen für ein geringes Selbstwertgefühl.

Was tust Du, damit es Dir gut geht?

Selbstliebe beinhaltet Selbstfürsorge und dafür solltest Du auf Deine Wünsche und Bedürfnisse selbst achtgeben. Welche Signale sendet Dir Dein Körper? Die Seele sendet Dir andauernd Signale über Deinen Körper. Also nimm sie rechtzeitig wahr und gehe sorgfältig damit um.

Es gibt aber auch noch ein paar Prozesse, wie Du zu mehr Selbstliebe finden kannst.

Dafür sind drei Schritte wichtig:

  1. Sich selbst zu erkennen, wie man ist
  2. Anzuerkennen was Du da siehst und wer Du somit bist. Das bedeutet auch vor allem, sich selbst zu vergeben.
  3. Dieser Schritt passiert oftmals von allein. Durch die Integration des Erkannten wie Du bist und das Akzeptieren Deines Selbst, transformierst Du Dich. Das heißt, Du entwickelst Dich dadurch zu einer stimmigeren Version, Deiner Selbst.

Erkennen, Anerkennen, Transformieren.

Diese drei Stufen sind der Lernprozess eines jeden Menschen., der immer wieder dieselbe Straße als Weg wählt und immer wieder in dasselbe Loch fällt.

Zunächst musst Du das erstmal Erkennen: Jedes Mal haut es mich hier um, aus der Bahn!

Nur mit dem Erkennen ist es aber noch nicht getan. Erst wenn Du anerkennst das das Loch da ist und existiert, kannst Du drum herumlaufen.

Mit der dritten Stufe der Transformation, wählst Du automatisch von vornherein eine Straße ohne Loch. Das Thema ist aufgelöst und wiederholt sich nicht mehr – zumindest nicht mehr in dieser Straße bei diesem einen Loch.

Dafür gibt es dann andere Straßen und andere Löcher ?!

Warum ist Selbstliebe auch für die Partnerschaft so wichtig?

Wenn Du über ausreichend Selbstliebe verfügst, überträgst Du diese Aufgabe nicht mehr bewusst oder auch nicht unbewusst auf Deinen Partner/in.

Die Aufgabe Deines Partners in der Liebesbeziehung ist dann nicht mehr Deine Defizite aufzufüllen. Der andere hat gar keine Aufgabe, sondern Du selbst hast eine Aufgabe und bei der Erfüllung Deiner Aufgabe hilft Dir lediglich Dein Partner mit Botschaften ganz Du selbst zu sein.

Die reife Selbstliebe nimmt nicht, sondern gibt. Sie öffnet sich, sie macht sich verletzlich. Sie bleibt bei sich und arbeitet an sich, um die eigenen verdrängten Themen anzupacken und aufzulösen. Als Lohn für seine Mühen erhält der Selbstliebende Anziehungskraft, wird unbequemer und liebenswerter und wird genau deshalb geliebt. Denn jetzt kommt genau die Liebe zurück, die man selbst geben kann.

Wenn Du Dich also von Deinem Partner nicht genug geliebt fühlst, solltest Du anfangen Dich selbst mehr zu respektieren. Wie das geht? Indem Du Dir schonungslos die Ergebnisse Deines eigenen Lebens anschaust. In diesem Fall, Dir die Qualität Deiner Paarbeziehung ansiehst. Die Ergebnisse zeigen Dir, wer Du wirklich bist. Stimmt Dein Selbstbild mit den Ergebnissen überein ist der Anfang gemacht.

Zuerst Dich selbst anerkennen – wenn ich das so schreibe, heißt das nicht, das ich das immer hinkriege. Wir alle rutschen allzu leicht in die Selbstbestätigungsfalle oder verfallen in einer Art Selbstaufgabe. Wir neigen dazu – andere zu benutzen, um uns selbst besser zu fühlen. Und das nicht nur unter Lebenspartnern, sondern auch innerhalb der Familie. Die Versuchungen lauern überall, denn das Leben stellt uns täglich neue Herausforderungen.

Liebe einzufordern torpediert die Freiheit des vermeintlich geliebten Menschen. Liebe lässt sich nicht einfordern. Tiefe Liebe fließt nur dort wo Freiheit ist, wo die Kraft der Selbstbestimmtheit wirkt. Liebe kommt zum Erliegen sobald sie erzwungen wird.

Wenn Du 10x am Tag Deinem Partner beweisen musst, dass Du ihn liebst, erdrückt Dich das irgendwann. Und ausfüllen kannst Du diese innere Leere Deines Partners sowieso nicht. Diese fehlende Selbstliebe Deines Partners, die er/sie versucht durch Dich zu kompensieren, würde Eure Beziehung blockieren. Eure Beziehung könnte sich nicht mehr weiterentwickeln, ihr würdet bei den bloßen Forderungen stehen bleiben, die sich nicht erfüllen würden. Und was das bedeutet, muss ich Dir nicht erklären …

Aus diesem Grund ist es ganz wichtig, dass sich jeder der Partner um seine Selbstliebe kümmert und damit auseinandersetzt.

Im nächsten Beitrag gibt es erst mal Teil 5 der Serie: 3 Übungen für mehr Glück, womit Du sofort beginnen kannst und in einem der weiteren Beiträge gebe ich Dir noch ein paar Tipps die Dich zusätzlich unterstützen können zu mehr Selbstliebe zu finden.

Viel Spaß beim Nachdenken und umsetzen! Denk dran, Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben und Du bist wertvoll, Du bist einmalig und Du bist einzigartig auf dieser Welt!

Deine Madeleine
Initiatorin Selbsthilfe Glück

 

 

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