Zum Loslassen brauchst Du 6 Dinge

Loslassen Hund Alya hat Stock aus dem Wasser geholt und muss ihn nun los lassen

Genau betrachtet müssen wir täglich ganz oft Loslassen. Und Loslassen ist Bedingung für ein leichteres und glücklicheres Leben. 

Den Tag loslassen, wenn wir abends einschlafen.
Die Mahlzeit nach dem Espresso.
Das spannende Buch, das wir gerade zu Ende gelesen haben.
Den guten Freund, der wegzieht.

Okay, das klappt ja meist noch ganz gut.

 

Aber warum halten wir an anderen Dingen fest, obwohl wir wissen, dass wir sie nicht festhalten können?

Obwohl wir ahnen, dass wir durch das Festhalten auch langsam etwas verlieren.

  • Beim Ausmisten der Wohnung der Mutter entdeckt die Tochter, fünfzehn teure Parfümflakons, die sie und ihre Schwester ihr über die Jahre geschenkt hatten. Ungeöffnet.
  • Jeden Mittwoch und Samstag muss ein Sohn genau um 18 Uhr seinen Vater oder Mutter anrufen. Ihm graust vor den langweiligen Pflichtterminen – aber er gerät ins Schwitzen, wenn er es mal nicht auf die Minute schafft, sich zu melden. Der Sohn ist 46 Jahre alt.
  • Ein Paar, das gerade in ihr neugebautes Haus gezogen ist, kommt schon in die dritte Paarsitzung, weil sie sich nicht einigen können, welche Farbe das neue Wohnzimmer haben soll und ob Vorhänge spießig, praktisch und schön sind.

In allen Beispielen geht es ums Festhalten und die Weigerung, loszulassen. Den Zauber des Neuen und Unversehrten, des eigenen Sohnes oder die jeweiligen Vorstellungen.

Festhalten scheint dem Betreffenden völlig normal, angemessen und vernünftig – und einfacher. Aber meist geht es dabei mehr um das Regulieren von Ängsten.

 

Loslassen scheint schwierig, denn es braucht dazu einiges. Vor allem folgende 6 Dinge:

 

1.   Loslassen braucht Vertrauen.

Wer etwas loslassen kann, bekommt die Hände und/oder den Kopf frei.
Das tun wir umso leichter, wenn wir darauf vertrauen, dass schon wieder etwas auftauchen wird, wo wir zugreifen können.

Das Vertrauen, dass wenn wir loslassen, etwas Neues kommen wird. Nicht dasselbe. Nicht immer etwas Besseres – aber etwas Neues. Und das Vertrauen, das wir immer etwas Neues lernen können.

 

2.   Loslassen braucht Einsicht.

Die Einsicht, dass sich immer alles verändert. Das der schöne Blumenstrauß verwelken wird, weil das der Preis für seine Lebendigkeit ist. Und ein Plastikstrauß zwar nicht welkt, aber auch nicht lebt.

Das Vertrauen und die Einsicht, dass das Leben weitergeht, auch wenn wir etwas loslassen müssen. Folgen wir dem nicht, wird uns oft das genommen, was wir zu halten suchen. D.h. wir verlieren es sowieso. Wenn wir zu lange festhalten besteht die Gefahr, dass wir im Rückblick bereuen oder Schuld empfinden zu lange gewartet oder ausgehalten zu haben.

 

3.   Loslassen braucht Respekt.

Manchmal müssen wir uns auch von etwas trennen, was uns nicht guttut. Das können ungute Gewohnheiten sein oder Umstände, die uns schaden. Manchmal sind es auch Menschen, die uns schlecht behandeln.

Als ich mich mal über eine ehrenamtliche Tätigkeit im Frauenhaus informierte, war ich erschüttert, dass die meisten Frauen wieder zu ihren prügelnden, versoffenen Männern zurückkehren. Ich wollte wissen, „warum?“ Die Mitarbeiterin erklärte mir, dass sie dann immer wieder hören würde: „Ich verdiene nichts Besseres im Leben als diesen Mann. Außerdem liebe ich ihn und kann nicht anders.“

Das war es, was mich noch trauriger machte. Der eigene Mangel an Respekt. Nicht nur des Mannes gegenüber seiner Partnerin, sondern der fehlende Respekt von der Frau für sich selbst, die fehlende Selbstliebe, die emotionale Abhängigkeit und und und

Manchmal bedeutet aber Loslassen auch Respekt gegenüber den Natur- und Lebensgesetzen, gerade bei dem Tod. Es anzunehmen, Respekt davor zu haben, dass alles auf dieser Welt ein Ende hat.

 

4.   Loslassen braucht Verzicht.

Menschen be-schweren ihr Leben mit unerfüllbaren Forderungen oder hadern mit Menschen und Umständen. Warum werde ausgerechnet ich krank, ich verlassen oder benachteiligt?

In vielen „falschen Kompromissen“, wo nur einer nachgibt – kann man immer wieder beobachten, dass unangemessenes Festhalten immer die Gefahr birgt, dass die Gegenseite zähneknirschend ihre Forderungen loslässt – aber insgeheim schon Auswege aus dieser einseitigen Abhängigkeit sucht.

Verzicht – obwohl einem eventuell von Rechts wegen etwas zusteht – ist ein Zeichen von Reife. Also etwas ab- oder niederlegen zu können ohne das als Niederlage zu erleben.

 

5.   Loslassen braucht Mut – statt Wut.

Manchmal muss und soll man kämpfen. Sich wehren gegen Entwicklungen, Umstände oder Menschen. Aber immer gibt es einen Punkt, wo man merkt, dass das Kämpfen nichts ändert. Dass man nicht gewinnen wird. Auch hierbei gilt es die Natur- und Lebensgesetze anzuerkennen, den Mut zu haben – Grenzen zu setzen und anzuerkennen, sowie anschließend weiter zu gehen.

Ansonsten wird aus dem möglichen Kompromiss, den man nicht will, ein endloser Kampf, bei dem alle verlieren. Rosenkriege zwischen geschiedenen Partnern um das Sorgerecht für die Kinder sind ein trauriges Beispiel. Der Konflikt zwischen diversen Ländern in Afrika oder in manchem Pflegebett ein anderes.

Wut – meist mit dem Pochen auf vermeintliche Rechte – überdeckt hier die Hilflosigkeit auf beiden Seiten. Und verhindert, dass man vernünftig miteinander reden kann.

Da hilft es, die vermeintliche Opferposition aufzugeben und zu erkennen, dass beide Parteien Täter sind. Und die Einsicht: Was man nicht loslassen kann, lässt einen nicht los…

 

6.   Loslassen braucht Trauer.

Wenn Du dem erwachsenen Sohn hilfst, seine erste Studentenbude einzurichten und sich nach getaner Arbeit die Wohnungstür hinter Dir schließt, können Dir die Tränen in den Augen stehen.

Denn es ist ein Abschied, ein loslassen.

Etwas nicht zu Wiederholendes ist zu Ende gegangen. Eine besondere Zeit, die anstrengend und schön war. Vater oder Mutter sein. Man bleibt es auch weiter, aber nie wieder so, als das Kind zu Hause lebte und Du täglich Anteil nahmst.

Vorbei. Erst einmal Leere. Und hoffentlich Trauer und kein schneller Trost als wäre gerade nichts Entscheidendes passiert.

Die Tränen sind wichtig, denn sie haben mit rauslassen und loslassen zu tun. Gerade das Trauern macht frei. Festhalten bindet – beide.

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Ich weiß das Loslassen nicht immer einfach ist. Ich habe selber sehr lange dafür gebraucht einen besseren Umgang damit zu finden. Es hängt sehr oft damit zusammen wie Du als Kind dabei konditioniert worden bist. Oder was ggf. in schwierigen Situationen Deine bisherigen „Überlebens“-strategien waren.

Loslassen im richtigen Moment ist weder resignieren, noch versagen oder vergessen. Loslassen im richtigen Moment ist Akzeptanz, ist Liebe und Vertrauen in das Leben.

Beim Festhalten glauben wir, dass nichts Besseres nachkommt. Dass wir diesen schönen Moment, diese beglückende Erfahrung, diese wertvolle Zeit festhalten müssen. Weil sie unwiederbringlich ist.

Letzteres mag stimmen.

Wir dürfen aber hoffen, dass immer eine neue Erfahrung kommt. Nicht dieselbe, eine andere.

Auch wenn man es im Moment des Loslassens meistens nicht glauben kann, manchmal kommt auch eine bessere oder schönere Erfahrung. Oft liegt das an uns selbst, weil viele Menschen im Laufe ihres Lebens, gerade durch Abschiede und Loslassen, achtsamer und bewusster für den Augenblick, für den Moment werden. Manche werden behutsamer und lernen aus tiefstem Herzen zu schätzen, dass NICHTS selbstverständlich ist… Und wenn man dieses Bewusstsein hat und auch achtsam im Alltag lebt, kann man nur dankbar sein, auch für die vermeintlich kleinen Dinge im Leben.

 

Dankbarkeit macht das Leben erst reich.

Dietrich Bonhoeffer

 

Dieser Beitrag ist auch im Gedenken an alle Lebewesen und Dinge geschrieben, die ich in meinem Leben loslassen musste. Mich erfüllt dabei eine tiefe Dankbarkeit für all die schönen Momente die ich mit ihnen erleben und erfahren durfte, aber auch für all die Dinge die ich dabei lernen durfte.

Loslassen  ≠  Vergessen.

 

Deine Madeleine
Initiatorin Selbsthilfe Glück

Was hat Hingabe, sich fallen lassen können – mit Glück zu tun?

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